Österreichische Kohorteninitiative (Austrian Cohort Initiative – ATCI)

Was ist die Österreichische Kohorteninitiative?

 

Die Österreichische Kohorteninitiative (ATCI) ist eine strategische Initiative, die von der Medizinischen Universität Wien (MUW), der Abteilung für Epidemiologie, BBMRI.at und EIRENE in Zusammenarbeit mit Forschungs- und Gesundheitsakteuren aus ganz Österreich ins Leben gerufen wurde, um die kohortenbasierte Forschung zu stärken, zu koordinieren und auszubauen.

 

Kohortenstudien – also langfristige (longitudinale) Beobachtungen von Teilnehmenden, deren Proben, Gesundheitsdaten, sowie Informationen zu Lebensstil und Umweltexpositionen erhoben werden – sowie Biobanken spielen eine zentrale Rolle für das Verständnis von Gesundheit, Krankheit, Prävention und Gesundheitspolitik. ATCI bündelt Synergien bestehender und geplanter Kohortenaktivitäten in Österreich, um deren wissenschaftliche Wirkung zu maximieren.

 

Die ATCI wird geleitet von Eva Schernhammer (Med Uni Wien, Institut für Epidemiologie), Cornelia Stumptner (BBMRI.at) und Benedikt Warth (EIRENE Knoten Exposome Austria), mit Unterstützung von Maria Uhl (Österreichische Plattform für Human-Biomonitoring).

 

 

Warum ist diese Initiative wichtig?

 

Kohorten und Biobank-Sammlungen bilden eine wesentliche Grundlage für gesundheitsbezogene Forschung und evidenzbasierte Politik.  Sie ermöglichen es etwa

– den Einfluss biologischer, umweltbedingter und lebensstilbezogener Faktoren auf Gesundheit und Krankheit zu bewerten.

– die Entstehung und den Verlauf von Krankheiten besser zu verstehen.

– Infektionskrankheiten und ihre Auswirkungen zu überwachen,.

– neue Konzepte zur Prävention chronischer Erkrankungen und für das gesunde Altern zu entwickeln.

 

Gemeinsam können Kohorten und Biobanken auch zur Reduktion von Schadstoffexpositionen, zur Förderung gesunder Lebensweisen und zur Stärkung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung bei – und können damit einen Beitrag zur Senkung der Gesundheitskosten leisten.

 

Biobanken unterstützen diese Forschung mit professioneller Infrastruktur und Dienstleistung, Qualitätsmanagement und Expertise in der Probenlagerung, und Präanalytik.

 

Schwerpunkte der ATCI

 

  • Synergien und Effizienz

Vernetzung österreichischer Kohorten zur Förderung von Austausch und Zusammenarbeit in Bereichen wie Proben-, Daten- und Qualitätsmanagement sowie Fragebogendesign sowie ethisch, rechtlichen und sozialen Implikationen (ELSI).

 

  • Moderne Kohortenkonzepte

Integration neuer Technologien, Expositionsmessungen, digitaler Gesundheitstools, Omics, Daten und Datenintegrationsansätze.

 

  • Verbesserung der Wirkung

Stärkung der Synergien, Sichtbarkeit, Zugänglichkeit und Nutzbarkeit österreichischer Kohortenressourcen (Proben, Daten, Fachwissen) für die akademische und industrielle Forschung.

 

  • Schließung von Lücken

Identifizierung des Bedarfs und Aufbau neuer Kohorten in bisher unterrepräsentierten Bereichen, wie z.B.  Regionen, Altersgruppen, Krankheitsbereichen oder bei der Umweltüberwachung).

 

 

Ziele der ATCI?

 

In Österreich werden bereits zahlreiche Kohortenstudien durchgeführt – sowohl mit Menschen als auch mit Tieren –, die ein breites Spektrum gesundheitsbezogener Bereiche abdecken. Viele dieser Studien arbeiten mit den Biobanken von BBMRI.at zusammen und nutzen deren professionelle Infrastruktur und Fachkompetenz.

 

Ziel der ATCI ist es, Synergien zwischen bestehenden und neu geplanten Kohortenaktivitäten in Österreich zu schaffen und zu nutzen.

 

Durch die Zusammenarbeit von Forscher*innen und Biobanken – insbesondere innerhalb von BBMRI.at – werden Koordination, Qualität und Harmonisierung gestärkt.

 

Eine zentrale Vision ist  die Unterstützung neuer Kohorten und die Harmonisierung bestehender (sowie neuer), um so langfristig eine integrierte Dateninfrastruktur und einen optimierten Zugang zu Kohortendaten und -proben für ein breites Spektrum von Forschungsfragen zu ermöglichen.

 

 

Bisherige Aktivitäten?

 

Diese von BBMRI.at organisierte Veranstaltung brachte Forscher, Kohortenakteure, Biobanker und andere Interessengruppen zusammen, um bestehende und geplante Kohorten vorzustellen, Erfahrungen auszutauschen und zukünftige Bedürfnisse zu identifizieren. Die Diskussionen befassten sich mit Fragen der Harmonisierung, Qualität, Recht, Ethik, Technik, Finanzierung und des Datenzugangs.

 

  • Folgemaßnahmen

Es wurde ein Bericht erstellt, um politische Entscheidungsträger für die Bedeutung von Kohorten und Biobanken zu sensibilisieren. Auf der Grundlage dieser Bemühungen wurde ein Projektvorschlag eingereicht und anschließend finanziert.

 

 

Ministerien unterstützen ein ATCI-Projekt

 

Ein dreijähriges Projekt der ATCI wird vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) und vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klimaschutz, Umwelt, Regionen und Gewässerwirtschaft (BMLUK) gefördert (GZ: 2025-0.678.605; 20).

 

Projektziel:

Das Projekt bewertet das Potenzial bestehender österreichischer Kohorten für gesundheitsbezogene Entscheidungen, politische Maßnahmen und Forschung, insbesondere im Zusammenhang mit den österreichischen Gesundheitszielen, mit besonderem Schwerpunkt auf dem Gesundheitsziel Nr. 4 „Schutz von Luft, Wasser, Boden und der gesamten Lebensumwelt für künftige Generationen“.

 

Es zielt darauf ab, das vorhandene Wissen und die Strukturen bestehender und geplanter Kohortenstudien im Rahmen der ATCI zu konsolidieren.

 

Bis Projekten Ende des dreijährigen Projekts soll eine harmonisierte Dateninfrastruktur geschaffen werden, die einen integrierten Zugang zu den Daten der teilnehmenden Kohorten ermöglicht, die Erforschung wichtiger wissenschaftlicher Fragen unterstützt und zur Weiterentwicklung nationaler Gesundheitsstrategien beiträgt. Darüber hinaus wird ein prototypisches Beispiel vorgestellt, das zeigt, wie die Daten und Proben für eine relevante wissenschaftliche Forschungsfrage genutzt werden können, einschließlich der damit verbundenen Anforderungen.

 

 

Wichtige Maßnahmen:

 

  1. Erstellung einer Übersicht der teilnehmenden österreichischen Kohorten (inklusiver wichtiger Metadaten, wie z. B. Kohortengröße, Zweck, Erhebungshäufigkeit)
  2. Kommunikation des Mehrwerts von Kohorten im Kontext der österreichischen Gesundheitsziele
  3. Berichts über das Potenzial von ATCI zur Förderung des österreichischen Gesundheitsziels Nr. 4

 

 

Derzeit teilnehmende Kohorten:

 

  • Vorarlberger Gesundheitsmonitoring- und -förderungsprogramm
  • Österreichische LEAD-Studie (Lung, hEart, sociAl, boDy)
  • Paracelsus 10 000 Kohorte
  • Born in Vienna (BiV) – Pilot-Geburtskohorte Österreich
  • Muttermilch-Umweltkohorte
  • Plazenta-Umweltkohorte
  • COPLANT-Wien-Kohorte
  • Kohorte der PARC-Kinderbefragung
  • Kohorte der Kinderbefragung 2021
  • Kohorte der Muttermilchüberwachung 2023+
  • Psoriasis-Register Österreich (PsoRA)
  • COVID-19-Genesungskohorte
  • Long-COVID-Kohorte
  • Chronischer Stress als Risikofaktor für Long-COVID-Studie
  • Interfast-Kohorte
  • BioPersMed-Kohorte
  • CovVac-Boost-Studie
  • Brustkrebs-Kohorte
  • Wiener Frühgeborenen-Biobank (ViP-Neo)

 

Weitere Details sind in den Kohortenprofilen unten abrufbar.

 

 

Mitmachen- Ihre Beteiligung ist willkommen!

 

Forscher*innen, Kohortenleiter*innen, Kliniker*innen und Organisationen sind eingeladen, sich an der ATCI  zu beteiligen und von ihr zu profitieren.

 

Sie können:

– Informationen zu Ihrer Kohorte (Design, Metadaten, Bedürfnisse) einbringen,

– an Harmonisierung und Standardisierung mitwirken,

– an Workshops, Treffen und „Forschungstagen“ teilnehmen,

– gemeinsame Ressourcen oder Fördermöglichkeiten nutzen,

– zu rechtlichen, ethischen und sozialen Fragen beitragen (z. B. Einwilligung, Datenschutz, Teilnehmerkommunikation).