Mikrobiom-Biobanking und -Forschung im Einklang mit dem Nagoya-Protokoll – Veröffentlichungen des MICROBE-Projekts unter Mitwirkung von BBMRI.at

Zwei neue Open-Access-Veröffentlichungen des EU-finanzierten MICROBE-Projekts befassen sich mit zentralen rechtlichen und praktischen Herausforderungen in der Mikrobiomforschung im Rahmen verschiedener UN-Rahmenwerke, insbesondere des Nagoya-Protokolls. Mit dem Beitrag von BBMRI.at spielt Österreich eine aktive Rolle bei der Entwicklung bewährter Verfahren für das globale Mikrobiom-Biobanking und die Einhaltung der Vorschriften zum Zugang zu genetischen Ressourcen und zu einem gerechter Vorteilsausgleich (ABS).

Zu den beiden Veröffentlichungen 

Die beiden Artikel, die nacheinander in derselben Ausgabe von „Sustainable Microbiology“ erschienen sind, bieten einen Überblick über die internationalen rechtlichen Rahmenbedingungen für mikrobielle Ressourcen. Der zweite Artikel untersucht anschließend die Umsetzung des Nagoya-Protokolls in der Mikrobiomforschung und liefert dringend benötigte Leitlinien dazu, wie die Anforderungen des Nagoya-Protokolls hinsichtlich des Zugangs und des Vorteilsausgleichs (ABS) auf Mikrobiommaterialien anzuwenden sind. Sie behandeln Kernkonzepte und häufige Problemfelder, wie beispielsweise das regulatorische Umfeld, an das sich Mikrobiologen halten müssen, unterschiedliche nationale Umsetzungen sowie praktische Aspekte der Dokumentation und des Vorteilsausgleichs.

 

Die Autoren setzen diese komplexen Themen in anschauliche Infografiken und konkrete Empfehlungen um, die Labore, Biobanken und Forschungsinfrastrukturen in die Praxis umsetzen können. Die Publikationen bieten einen pragmatischen Leitfaden für den vorschriftsmäßigen Zugang, die Speicherung, den Austausch und die Wiederverwendung von Mikrobiom-Ressourcen und unterstützen so eine solide und kooperative Wissenschaft über Grenzen hinweg.

 

 

Warum das Nagoya-Protokoll für die Mikrobiomforschung von Bedeutung ist 

Mikrobiom-Materialien und die damit verbundenen Daten spielen eine zentrale Rolle für den Fortschritt in der biomedizinischen, umweltbezogenen und translationalen Forschung. Gleichzeitig müssen Forscher die ABS-Verpflichtungen des Nagoya-Protokolls einhalten, die von Land zu Land unterschiedlich umgesetzt werden und in der Praxis schwer umzusetzen sein können.

 

Zu den zentralen Themen zählen die Einstufung von aus Menschen gewonnenen Mikrobiomproben als genetische Ressourcen, die Notwendigkeit, Herkunft und Genehmigungen zu dokumentieren, sowie die Frage, wie eine gerechte Aufteilung der Vorteile gewährleistet werden kann. Die klaren und umsetzbaren Leitlinien, die in den beiden Artikeln bereitgestellt werden, sind daher von entscheidender Bedeutung, um eine wirkungsvolle Wissenschaft zu ermöglichen, die sich auf Biobanken und Kultursammlungen stützt und gleichzeitig den rechtlichen und ethischen Anforderungen gerecht wird.

 

 

Der Beitrag von BBMRI.at über die Medizinische Universität Graz

Cornelia Stumptner (Medizinische Universität Graz) – die auch Mitglied des EU-finanzierten MICROBE-Projekts zum Thema Mikrobiom-Biobanking ist – hat an beiden Publikationen mitgewirkt und dabei Erkenntnisse aus der Perspektive der Forschungsinfrastruktur für Biobanken beigesteuert.

 

Aufbauend auf den Erfahrungen von BBMRI.at im Bereich interoperabler, ethisch und rechtlich konformer Biobanking-Verfahren unterstützt dieser Beitrag die praktische Umsetzung des Nagoya-Protokolls. Er steht zudem im Einklang mit den umfassenderen Bemühungen von BBMRI-ERIC, die Biobanking-Standards europaweit zu harmonisieren, und stärkt damit Österreichs Rolle bei der Gestaltung europäischer Leitlinien für die Mikrobiomforschung im human- und nicht-humanmedizinischen Bereich.

 

 

Von MICROBE bis zur Umsetzung 

Die im Rahmen des EU-Projekts MICROBE entwickelten Publikationen schlagen eine Brücke zwischen rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen und der praktischen Umsetzung. Das Projekt unterstützt die Entwicklung praktischer Verfahren, Vorlagen und Leitfäden für Mikrobiomforscher und hilft dabei, politische und rechtliche Anforderungen in Arbeitsabläufe zu übersetzen, die im Biobankwesen und in der Forschung angewendet werden können.

 

Lesen Sie die veröffentlichten Artikel:

Davide Faggionato, Melania Muñoz-García, Tanja Kostic, Mariana L Ferrari, Pascale Vonaesch, Mathilde Poyet, Perrine Portier, Matthew J Ryan, Djamila Djeddour, Cornelia Stumptner, […], Amber H Scholz, Policy Briefing: From access to use – Untangling the international legal frameworks that govern microbial resourcesSustainable Microbiology, 2026;, qvag005,  https://doi.org/10.1093/sumbio/qvag005

 

Davide Faggionato, Melania Muñoz-García, Tanja Kostic, Mariana L Ferrari, Pascale Vonaesch, Mathilde Poyet, Perrine Portier, Matthew J Ryan, Djamila Djeddour, Cornelia Stumptner, […], Amber H Scholz, Policy in practice: How to “do” the Nagoya Protocol: common misconceptions, challenges and best practices for access and benefit-sharing compliance, Sustainable Microbiology, 2026; vag007, https://doi.org/10.1093/sumbio/qvag007