BBMRI.at Jahrestagung 2026: Rückblick auf das 12. BBMRI.at SEAB- & ACP-Treffen
Im Rahmen des 12. BBMRI.at Scientific and Ethical Advisory Board (SEAB) und der Assembly of Consortium Partners (ACP) Treffens zog der Österreichknoten von BBMRI-ERIC über die zentralen Erfolge des vergangenen Jahres Bilanz. Ebenso wurden strategische Zukunftsthemen mit dem Wissenschaftlichen und Ethischen Beirat, Vertreter:innen der Universitätsleitungen sowie dem Bundesministerium diskutiert. Dabei wurde die wichtige Rolle von BBMRI.at und der Biobanken auf nationaler und europäischer Ebene hervorgehoben.
Jahrestagung mit wichtigen nationalen Stakeholdern
Am 13. Jänner 2026 veranstaltete BBMRI.at sein 12. SEAB & ACP Treffen an der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni). Das Treffen brachte das BBMRI.at-Konsortium, den Wissenschaftlichen und Ethischen Beirat (SEAB), Vertreter:innen der Vizerektorate österreichischer Universitäten (ACP) sowie das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) zusammen, um die jüngsten Fortschritte zu erfassen und strategisch relevante Themen für die kommenden Perioden zu diskutieren.
Nach der Begrüßung durch das BBMRI.at-Koordinationsteam (Gregor Gorkiewicz, Cornelia Stumptner) und den National Node Director (Georg Göbel) erhielten die Teilnehmenden ein Update zu BBMRI-ERIC. Dieses wurde von Thomas Steger, der Director General Jens Habermann vertrat, vorgestellt und skizzierte aktuelle Entwicklungen auf europäischer Ebene sowie deren Bedeutung für die nationalen Knoten.
Fortschrittsbericht von BBMRI.at
Der BBMRI.at Fortschrittsbericht wurde von den Leiter:innen der einzelnen Work Packages (WP) präsentiert. Er fasste die wesentlichen Ergebnisse des vergangenen Jahres zusammen – dem 12. Jahr seit der Gründung von BBMRI.at – und gab einen Überblick über geplante Aktivitäten und Schwerpunkte für das kommende Jahr.
Zu den zentralen Highlights zählten Fortschritte in folgenden Bereichen:
– Datafizierung und Interoperabilität (WP1):
Entwicklung technischer Spezifikationen für eine nationale Biobank-Datenkommunikationsplattform, die den automatisierten Datentransfer von österreichischen Biobanken zu BBMRI-ERIC-Plattformen ermöglicht und damit die europäische Interoperabilität stärkt.
– Rechtliche und regulatorische Unterstützung (WP2):
Fortführung des BBMRI.at Legal Helpdesk und die Knowledge Base sowie ergänzende Veranstaltungen zu aktuellen regulatorischen Themen wie dem European Health Data Space (EHDS), der Sekundärnutzung von Daten sowie dem Einsatz künstlicher Intelligenz im Biobanking.
– Qualitätsmanagement und Standardisierung (WP3, WP6): Ein zentraler Schwerpunkt von BBMRI.at-Aktivitäten. Partnerinstitutionen wurden bei der Stärkung ihrer Akkreditierungsreife unterstützt – unter anderem durch Workshops, Cross-Audits mit Fokus auf ISO 20387, die Teilnahme an Ringversuchen sowie durch aktive Beiträge zur Entwicklung von Biobank-relevanten ISO- und CEN-Standards.
– Ökologische Nachhaltigkeit (WP4):
Die Bedeutung eines nachhaltigen Biobank-Betriebs wurde thematisiert, unter anderem durch die Analyse von Umfragedaten zur Bewertung der Umweltauswirkungen von Biobank-Betrieben sowie durch die Identifikation möglicher Maßnahmen zur Reduktion von Energieverbrauch und Abfall.
– Veterinärmedizinischen und nicht-humanen Biobanken im One-Health-Kontext (WP5, WP6):
Die Stärkung dieses Bereichs stellt einen strategischen Schwerpunkt von BBMRI.at dar. Zu den Aktivitäten zählen eine systematische Erhebung veterinärmedizinischer Biobanken in den BBMRI-ERIC-Mitgliedsstaaten sowie gezielte Kommunikationsmaßnahmen zur Erhöhung der Sichtbarkeit des veterinärmedizinischen Biobankings.
Darüber hinaus beteiligte sich BBMRI.at (über WP6) an internationalen Standardisierungsprozessen (ISO) und EU-geförderten Projekten, wie z.B. MICROBE und GenomeMET, übernahm eine Co-Leitung der Austrian Cohort Initiative (ATCI) und ist mit weiteren Forschungsinfrastrukturen im Austausch (wie Exposome Austria/EIRENE und OSCA/DiSSCo).
Vertiefende Diskussionen zu strategischen Themen im Biobanking
Ein wesentlicher Bestandteil der BBMRI.at Jahrestagung waren vertiefende Diskussionen zu strategischen Fragestellungen im Biobanking, an denen sich alle Teilnehmenden aktiv beteiligten.
1. „Biobanken als Exper*innen-Infrastrukturen“
Im Fokus stand die sich weiterentwickelnde Rolle von Biobanken als Expert:innen-Infrastrukturen, die über klassische Aufgaben wie die Lagerung von Proben und Daten hinausgeht.
Diskutiert wurden die Voraussetzungen, für eine glaubwürdige Wahrnehmung dieser Rolle, darunter akkreditierte Kompetenzen, dokumentierte Prozesse, geeignete technologische Infrastrukturen sowie wissenschaftliche und medizinische Expertise. Zudem wurde erörtert, welche spezialisierten Dienstleistungen Biobanken anbieten könnten, etwa fachliche Unterstützung im Bereich der Probenpräanalytik, Qualitätsmanagements, und der Prozessvalidierung, sowie Schulungen oder Unterstützung bei der Audit-Vorbereitung.
2. „Rechtliche und ethische Perspektiven“
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf rechtlichen und ethischen Fragestellungen, insbesondere auf der Machbarkeit eines harmonisierten Informed-Consents für BBMRI.at-Biobanken. Aufbauend auf Rückmeldungen aus früheren SEAB-Besprechungen präsentierte das Konsortium aktuelle Fortschritte und holte Feedback zur praktischen Umsetzung sowie zur Akzeptanz durch Ethikkommissionen ein.
Darüber hinaus wurden die Auswirkungen des European Health Data Space (EHDS) auf Biobank-Forschungsinfrastrukturen thematisiert, insbesondere im Hinblick auf Governance-Strukturen, Verantwortlichkeiten und ethische Schutzmechanismen.
Dank und Abschluss
Die Jahrestagung war von konstruktiven und zielführenden Diskussionen geprägt.
BBMRI.at dankt allen Teilnehmenden – den Mitgliedern des Wissenschaftlichen und Ethischen Beirats (SEAB), den Konsortialpartnern, den Vertreter*innen der Universitätsleitungen sowie dem Bundesministerium – für ihre engagierte Mitwirkung und die wertvollen Beiträge. Ein besonderer Dank gilt der Veterinärmedizinischen Universität Wien für die Gastgeberrolle.
Bild: BBMRI.at, Vertreter*innen des Wissenschaftlichen und Ethischen Beirats, des Konsortiums, der Vizerektorate der Universitäten und des BMFWF.